Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein direkter, langfristiger Stromliefervertrag zwischen
einem Unternehmen und einem Betreiber einer Erzeugungsanlage — meist Wind oder Photovoltaik.
Preis, Menge und Laufzeit werden fest vereinbart, häufig über fünf bis fünfzehn Jahre. Für
energieintensive Betriebe ist das ein Weg, sich vom Auf und Ab der Börsenpreise zu lösen und
zugleich nachweisbar grünen Strom zu beziehen. Der Preis dafür: Sie übernehmen Risiken, die
sonst Ihr Versorger trägt.
Dieser Beitrag ordnet die gängigen Modelle ein, nennt die Preisspannen, die 2026 am deutschen
Markt aufgerufen werden, und beschreibt, ab wann sich der Aufwand überhaupt lohnt.
Die vier Grundformen im Überblick
„PPA“ ist ein Sammelbegriff. Was im Vertrag steht, unterscheidet sich erheblich — und damit auch,
welche Abteilung bei Ihnen das Thema führen muss.
| Modell | Wie der Strom fließt | Typisch für |
|---|---|---|
| Onsite-PPA | Die Anlage steht auf Ihrem Dach oder Grundstück. Der Strom wird direkt vor Ort verbraucht, ohne das öffentliche Netz zu nutzen. | Produktionsbetriebe mit großen Dachflächen und hohem Tagverbrauch |
| Offsite-PPA (physisch) | Die Anlage steht anderswo. Der Strom wird bilanziell über das Netz an Ihre Lieferstelle geliefert, ein Dienstleister übernimmt den Ausgleich. | Unternehmen ohne eigene Flächen, aber mit hohem Bedarf |
| Virtuelles PPA | Rein finanziell: Sie kaufen Ihren Strom weiter normal ein und gleichen mit dem Anlagenbetreiber die Differenz zu einem vereinbarten Festpreis aus. | Konzerne mit vielen Standorten und zentraler Finanzsteuerung |
| Sleeved PPA | Ihr Versorger schiebt sich als Vermittler dazwischen und übernimmt Bilanzkreis und Ausgleichsenergie gegen Aufschlag. | Unternehmen, die die Vorteile wollen, aber nicht das operative Risiko |
In der Praxis dominiert in Deutschland die Struktur Pay-as-Produced: Sie nehmen
ab, was die Anlage gerade erzeugt — bei Wind und Sonne also schwankend und nicht planbar. Rund
zwei Drittel der neu geschlossenen Verträge folgen diesem Muster. Die Alternative, ein festes
Bandprodukt (Baseload), ist bequemer, aber deutlich teurer, weil der Erzeuger dann die
Ausgleichskosten trägt und einpreist.
Was ein PPA 2026 kostet
Belastbare Zahlen gibt es nur als Bandbreite, weil jeder Vertrag anders geschnitten ist. Als
Orientierung für den deutschen Markt im Jahr 2026:
- Offsite-PPA, zehn Jahre Laufzeit: rund 65 bis 95 Euro je Megawattstunde, also etwa 6,5 bis 9,5 Cent je Kilowattstunde — je nach Technologie, Profil und Marktphase.
- Onsite-PPA für Gewerbe: typischerweise 8 bis 14 Cent je Kilowattstunde. Höher als beim Offsite-Modell, dafür entfallen Netzentgelte und ein Teil der Umlagen für den direkt verbrauchten Anteil — das ist der eigentliche Hebel.
- Floor-Strukturen mit garantiertem Mindestpreis für den Erzeuger liegen derzeit bei etwa 3,8 bis 4,5 Cent je Kilowattstunde und sind zunehmend Standard.
Der häufigste Denkfehler: Ein PPA ersetzt selten Ihren kompletten Strombezug.
Eine Windanlage liefert nicht, wenn kein Wind weht. Üblich sind Deckungsgrade von 20 bis 60
Prozent — den Rest kaufen Sie weiter am Markt. Ein PPA ist ein Baustein Ihrer Beschaffung, keine
Komplettlösung.
Welche Risiken Sie übernehmen
Ein Versorgungsvertrag ist bequem, weil der Versorger fast alle Risiken einpreist. Beim PPA holen
Sie sich einen Teil davon ins Haus. Das ist kein Argument dagegen — aber Sie sollten wissen,
worauf Sie sich einlassen.
Profilrisiko
Erneuerbare Anlagen produzieren dann, wenn Wind und Sonne es zulassen — nicht dann, wenn Ihre
Maschinen laufen. Die Differenz zwischen Erzeugungs- und Verbrauchsprofil müssen Sie am Markt
ausgleichen. Wer nachts produziert und ein PV-PPA abschließt, kauft an der Sonne vorbei.
Preisrisiko in beide Richtungen
Ein Festpreis schützt vor steigenden Preisen — und schließt Sie von fallenden aus. Wer 2022 zu
Höchstpreisen langfristig gebunden hat, zahlt bis heute drauf. Deshalb ist der
Abschlusszeitpunkt bei einem Zehnjahresvertrag mindestens so wichtig wie die
Vertragsgestaltung.
Bonitäts- und Ausfallrisiko
Sie binden sich an einen einzelnen Anlagenbetreiber. Geht dieser insolvent oder wird die Anlage
nicht fertig, stehen Sie ohne Lieferung da. Umgekehrt prüft auch der Erzeuger Ihre Bonität —
ein zehnjähriger Abnahmevertrag ist für ihn die Finanzierungsgrundlage. Rechnen Sie mit
Sicherheiten, Bankgarantien oder Patronatserklärungen.
Bilanzielle Behandlung
Je nach Ausgestaltung kann ein PPA nach IFRS als Derivat einzustufen sein und die Bilanz
belasten. Das ist ein Thema für Ihre Wirtschaftsprüfung — und ein Grund, warum virtuelle PPAs in
Konzernen manchmal an der Finanzabteilung scheitern, nicht am Einkauf.
Ab wann lohnt sich der Aufwand?
Ein PPA-Prozess dauert realistisch sechs bis zwölf Monate und bindet Kapazität in Einkauf,
Recht und Controlling. Diese Faustregeln haben sich in unserer Praxis bewährt:
- Unter 10 GWh Jahresverbrauch: Ein klassisches Offsite-PPA lohnt sich in der Regel nicht — der Transaktionsaufwand steht in keinem Verhältnis. Ein Onsite-Modell auf eigener Dachfläche kann trotzdem sinnvoll sein.
- 10 bis 50 GWh: Interessant, meist über Bündelung mit anderen Abnehmern oder als Onsite-Lösung. Ein strukturierter Portfolioansatz ist hier oft der bessere Hebel.
- Über 50 GWh: Ein PPA gehört in die Beschaffungsstrategie — nicht als Ersatz, sondern als eine Tranche neben Termin- und Spotmarkt.
Hinzu kommen zwei weiche Faktoren, die in der Praxis oft den Ausschlag geben: Kunden
fragen nach nachweisbar grünem Strom — insbesondere in Lieferketten mit eigenen
Klimazielen. Und die CSRD-Berichtspflichten machen Herkunftsnachweise zu einem
handfesten Thema für die Geschäftsführung.
Wie ein PPA-Prozess abläuft
- Lastgang analysieren. Ohne viertelstundenscharfes Verbrauchsprofil lässt sich kein PPA sinnvoll dimensionieren. Diese Daten bekommen Sie von Ihrem Messstellenbetreiber.
- Deckungsgrad festlegen. Welchen Anteil Ihres Bedarfs soll das PPA abdecken? Hier entscheidet sich, wie viel Restrisiko bleibt.
- Modell wählen. Onsite, Offsite, virtuell oder sleeved — abhängig von Flächen, Standorten und Bilanzierungsvorgaben.
- Anbieter ansprechen und Angebote vergleichbar machen. Der schwierigste Schritt: PPA-Angebote sind selten direkt vergleichbar, weil Risikoverteilung und Nebenabreden differieren.
- Verhandeln und prüfen lassen. Energierecht, Steuern und Bilanzierung müssen zusammenpassen.
Häufige Fragen
Ersetzt ein PPA meinen Stromversorger?
Meist nicht vollständig. Ein PPA deckt üblicherweise 20 bis 60 Prozent des Bedarfs. Für den
Rest brauchen Sie weiterhin einen Versorgungsvertrag — und jemanden, der den Bilanzkreis
führt. Nur bei sehr gleichmäßigem Verbrauch und passender Erzeugungsstruktur sind höhere
Deckungsgrade realistisch.
Was ist der Unterschied zwischen einem PPA und Ökostrom mit Herkunftsnachweisen?
Herkunftsnachweise sind Zertifikate, die getrennt vom Strom gehandelt werden — sie belegen,
dass irgendwo in Europa entsprechend viel Grünstrom erzeugt wurde. Ein PPA verknüpft Sie
dagegen mit einer konkreten Anlage und wirkt zusätzlich preisstabilisierend. Für
Nachhaltigkeitsberichte gilt ein PPA daher als deutlich belastbarer.
Wie lang sollte die Laufzeit sein?
Klassisch sind zehn bis fünfzehn Jahre, weil der Erzeuger damit seine Finanzierung darstellt.
Am deutschen Markt ist jedoch ein Trend zu kürzeren Laufzeiten unter fünf Jahren erkennbar.
Kürzer heißt: weniger Bindungsrisiko, aber meist auch schlechterer Preis.
Können sich mehrere kleinere Unternehmen ein PPA teilen?
Ja — über sogenannte Multi-Buyer-PPAs oder über einen Aggregator, der mehrere Abnehmer
bündelt. Das ist der übliche Weg für Betriebe unterhalb der 50-GWh-Schwelle. Die
Vertragsgestaltung ist dafür allerdings anspruchsvoller, weil geregelt sein muss, wer bei
Ausfall eines Partners einspringt.
Unsere Einschätzung
Ein PPA ist kein Selbstzweck und kein Sparprogramm. Es ist ein Instrument, um einen Teil Ihrer
Energiekosten über Jahre planbar zu machen und Nachhaltigkeitsziele zu belegen. Ob es sich
rechnet, entscheidet sich an drei Zahlen: Ihrem Lastgang, Ihrem Verbrauchsvolumen und dem
Zeitpunkt, zu dem Sie abschließen.
Wir analysieren mit Ihnen den Lastgang, rechnen den sinnvollen Deckungsgrad aus und machen
Angebote verschiedener Anbieter vergleichbar — bevor Sie sich für zehn Jahre binden. Mehr zu
unserem Vorgehen bei hohem Verbrauch finden Sie auf unserer Seite für
Industriekunden.