Die Netzentgelte steigen 2027 wieder, obwohl der Bund weiter zuschießt. Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben am 1. Oktober 2026 ihre vorläufigen Entgelte für 2027 veröffentlicht: im Durchschnitt 3,54 ct/kWh, nach 2,86 ct/kWh im Jahr 2026. Ohne Zuschuss wären es 6,52 ct/kWh.
Warum es teurer wird
Für 2026 hat der Bund 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds auf die Übertragungsnetzkosten gezahlt. Für 2027 bis 2029 plant die Bundesregierung 5,525 Milliarden Euro pro Jahr, knapp eine Milliarde weniger. Gleichzeitig wachsen die Kosten für den Netzausbau. Beides zusammen hebt das Entgelt um 0,68 ct/kWh.
Das Gesetz für den Zuschuss ab 2027 ist noch nicht beschlossen. Die Werte stehen deshalb unter Vorbehalt. Gibt es bis zum 7. Dezember 2026 keine Rechtssicherheit, rechnen die Übertragungsnetzbetreiber mit höheren endgültigen Entgelten.
Wie das bei Ihnen ankommt
Die meisten Unternehmen hängen nicht direkt am Übertragungsnetz, sondern am Verteilnetz ihres örtlichen Netzbetreibers. Der zahlt seinerseits Entgelte an das Übertragungsnetz und gibt diese Kosten in seinen eigenen Preisen weiter. Wie stark sich der Anstieg auswirkt, hängt deshalb vom Netzgebiet ab. Die Verteilnetzbetreiber veröffentlichen ihre vorläufigen Preisblätter für 2027 seit Mitte Oktober, die endgültigen folgen zum Jahresende.
Wie viel ein Zuschuss ausmacht, zeigt 2026. Laut BDEW-Strompreisanalyse (August 2026) liegt der durchschnittliche Strompreis für kleine und mittlere Industriebetriebe 2026 bei 17,2 ct/kWh, 0,4 ct/kWh weniger als im Vorjahr. Der BDEW führt das zum Teil auf den Zuschuss zurück.
Was Sie jetzt prüfen sollten
- Preisblatt 2027 Ihres Netzbetreibers: Arbeitspreis je kWh und, bei Leistungsmessung, Leistungspreis je kW mit 2026 vergleichen. So sehen Sie, was 2027 auf Sie zukommt, unabhängig vom Liefervertrag.
- Wer trägt die Änderung? Bei vielen Gewerbeverträgen ist das Netzentgelt ein durchlaufender Posten: Steigt es, steigt Ihr Preis. Bei Pauschal- oder Festpreisen mit Netzentgelt-Klausel darf der Versorger nachberechnen. Ein Blick in die Preisregelung klärt das.
- Angebote richtig vergleichen: Wer für 2027 einkauft, sollte Angebote nur mit gleichem Netzentgelt-Stand vergleichen. Sonst wirkt ein Angebot günstiger, das die Erhöhung nur noch nicht enthält.
- Hat 2026 gestimmt? Ist die Senkung durch den Zuschuss auf Ihren Rechnungen 2026 angekommen? Wenn nicht, ist das ein Gesprächsthema mit dem Versorger.
Unsere Einschätzung: Der Zuschuss bremst den Anstieg, er stoppt ihn nicht. Netzentgelte bleiben der Block, den kein Tarifwechsel anfasst. Wir prüfen die Netzabrechnung getrennt vom Liefervertrag. Mehr dazu im Beitrag Netzentgelte prüfen.