Auf vielen Gewerberechnungen ist das Netzentgelt der Block, den niemand anfasst. Der Arbeitspreis wird verglichen, der Rest gilt als gesetzt. Gesetzt ist der Netzbetreiber, aber nicht jede Zeile auf seiner Abrechnung. Falsche Abrechnungsart oder eine ungenutzte atypische Netznutzung läuft oft jahrelang mit, weil sie nicht im Liefervertrag steht.
Dieser Beitrag trennt, was verhandelbar ist und was nur geprüft werden kann. Er ersetzt keine Netzberatung im Einzelfall. Er sagt, woran Sie auf der letzten Jahresrechnung zuerst schauen.
Drei Blöcke, ein Missverständnis
Stromkosten setzen sich aus Energiebeschaffung, Netzentgelten sowie Steuern und Abgaben zusammen. Nur der erste Block ist Wettbewerb zwischen Versorgern. Die Anteile verschieben sich je nach Netzgebiet. Als grobe Orientierung für einen Gewerbebetrieb ohne Stromsteuerentlastung, wie wir sie auch auf der Startseite nutzen: rund 45 % Beschaffung, 30 % Netz, 25 % Steuern und Abgaben. Bei kleiner und mittlerer Industrie mit reduzierter Stromsteuer liegen Steuern, Abgaben und Umlagen laut BDEW-Strompreisanalyse (August 2026) nur bei rund 14 %. Für Ihren Standort gilt der Wert auf Ihrer Rechnung, nicht der Bundesdurchschnitt.
Wer nur den Arbeitspreis senkt, lässt den Netzblock ungelesen. Ein günstiger Liefervertrag auf einer falsch abgerechneten Netznutzung bleibt halbe Arbeit.
Was sich prüfen lässt
- Abrechnungsart. Leistungspreis, Arbeitspreis, Benutzungsdauer: Passt die Systematik noch zur tatsächlichen Last?
- Atypische Netznutzung. Wer Lastspitzen in teure Zeitfenster schiebt oder sie vermeiden kann, muss das beim Netzbetreiber geltend machen, nicht beim Versorger.
- Spannungsebene und Messkonzept. Ein gewachsener Betrieb hängt manchmal noch an einer Zuordnung, die der heutige Verbrauch nicht mehr hergibt.
- Mehrere Lieferstellen. Derselbe Fehler wiederholt sich gern über Filialen und Hallen. Ist er einmal gefunden, lässt er sich überall nachziehen.
Der Netzbetreiber bleibt ein Monopol. Verhandelbar ist nicht „der Netztarif“, sondern ob die Abrechnung zu Ihrer Nutzung passt. Deshalb liegt die Prüfung neben der Ausschreibung, nicht in derselben Excel-Spalte wie der Arbeitspreis.
Wie das in der Praxis abläuft
Zuerst die Jahresrechnung und, wo vorhanden, die Netzabrechnung getrennt vom Liefervertrag. Dann der Lastgang, denn ohne Profil bleibt atypische Netznutzung Spekulation. Erst danach die Ausschreibung über 30 Premium-Versorger, damit der verhandelbare Block auf einer geprüften Grundlage steht.
Eine erste Orientierung ohne Account gibt der Rechnungscheck: fünf Zeilen, die auf jeder Gewerberechnung stehen. Die Feinheiten klärt die Rechnung selbst, nicht ein Durchschnittswert aus dem Internet.
Häufige Fragen
Kann ich Netzentgelte wie den Arbeitspreis ausschreiben?
Nein. Der Netzbetreiber wechselt nicht mit dem Lieferanten. Was wechselt, ist der Versorger für die Energie. Die Netznutzung muss zum Profil passen. Das ist eine Prüfung, kein Bieterverfahren.
Reicht die App meines Versorgers?
Meist zeigt sie den Arbeitspreis und den Abschlag. Leistungspreis, Benutzungsdauer und Stromsteuer-Satz stehen auf der Jahresrechnung, oft klein. Dort sitzt der zweite Hebel.
Gilt das auch für Filialisten?
Ja. Viele gleiche Nutzungen, viele Netzgebiete: Der Fehler ist oft derselbe, die Beträge addieren sich. Bündelung betrifft den Energiepreis; die Netzprüfung läuft je Lieferstelle.
Vertiefend: RLM oder SLP erklärt, wann die Lastspitze zählt, Atypische Netznutzung, wann ein individuelles Netzentgelt möglich ist, und Netzentgelte 2027, was im kommenden Jahr auf Unternehmen zukommt.
Unsere Einschätzung
Unabhängige Beratung heißt hier: Liefervertrag und Netzabrechnung nebeneinander legen, bevor jemand unterschreibt. Wir sind unabhängig von Versorgern und Netzbetreibern. Beim Liefervertrag holen wir heraus, was der Markt hergibt, bei der Netzabrechnung zeigen wir, was die Prüfung ergibt.
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